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Mein erster ganzer Tag in Lutindi …

Autor: Eva | Datum: 01 September 2009, 19:30 | 22 Kommentare

… begann mit der Andacht am Dienstagmorgen (25.08.) – eine Woche nach unserer Ankunft. Zusammen mit Frank bin ich um 7.00 Uhr zur Andacht hier im Krankenhaus gegangen, wo ich mich den Patienten und den anwesenden Mitarbeitern vorgestellt habe.

Nachdem ich in einer Besprechung auch das Ärzteteam kennen gelernt habe, brachte Frank mich zu meiner ersten Arbeitsstelle in die Sisalwerkstatt. Dort hat mir Flora, eine der beiden Mitarbeiterinnen in der Sisalwerkstatt, die „Produktion“ erklärt und ich durfte mich sofort selbst an einem Topfuntersetzer probieren. Ein Patient hat sie zum Teil abgelöst und mir die weiteren Schritte erklärt und mir geholfen, wenn ich es alleine nicht schaffte. Er nannte sich ein bisschen stolz „mwalimu“ (=Lehrer). Er war aber genau die richtige Person für den Anfang: nicht aufdringlich, hilfsbereit und er kann außerdem ein bisschen Englisch. Überhaupt bin ich sehr froh, dass ich in der Sisalwerkstatt angefangen habe. Nicht nur weil ich mich – wie zu erwarten war – gut mit Flora verstehe, sondern eben auch, weil die Patienten dort etwas fitter sind. Es gibt einige die Englisch können und da ich noch Probleme mit dem Kiswahili habe, erleichtert es die Kommunikation enorm. Außerdem gibt es dort immer was zu tun und ich kann mich neben der Arbeit unterhalten und somit auch neue Vokabeln lernen.

Außerdem fand am Dienstag meine erste Chorprobe statt. Der „kwaya ya vijana“ (=Jugendchor) hat letzte Woche mit viel Elan für einen Wettbewerb geprobt. Daher konnte ich zwar bei der Probe ein bisschen mitsingen – was ohne Text und Noten schon nicht so einfach war – aber zu den Proben auf der Bühne, wo dann gesungen und getanzt wurde, habe ich mich nicht getraut und diese Koordination hätte ich auch nicht geschafft. War aber auch nicht tragisch, weil es auch herrlich war, dem Chor zuzuhören. Das klingt einfach wunderschön (was bei der Zusammensetzung aber auch kein Wunder ist: 23 Männer und 15 Frauen – bei dieser Männerquote erblassen doch alle deutschen Chorleiter vor Neid).

Am Dienstagabend starb eine langjährige Mitarbeiterin, die die letzten Wochen in Dar es Salaam verbracht hat, um dort im Krankenhaus versorgt zu werden. Daher habe ich sie selbst nicht kennen gelernt. Am Freitag fand dann hier in Lutindi die Beerdigung statt und ich bin dort in Begleitung mit Flora hingegangen und es war ein Erlebnis, was ich nicht missen möchte.

Die Beerdigung ist hier ein gesellschaftliches Ereignis. Alle Verwandten kommen aus dem ganzen Land, auch wenn sie dafür den ganzen Tag im Bus sitzen. Außerdem kommen auch Freunde, Arbeitskollegen und die gesamte Gemeinde. Bei dieser Frau waren es insgesamt ca. 1300 Menschen!

Im Gegensatz zu deutschen Beerdigungen sind diese hier weniger besinnlich. Die Menschen nehmen hier offen und vor allem gemeinsam Abschied von dem Toten. Das passiert aber nicht still und leise, sondern laut, da ohne Scham geweint und geschrien wird.


Und so endete meine erste Woche in Lutindi schon am Freitag bzw Samstagmittag, da der Chor mich eingeladen hatte, sie am Wochenende zu dem Wettbewerb nach Mlalo zu begleiten, aber das wird ein neuer Eintrag.

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